Nach dem starken Erdbeben an der Grenze zwischen dem Iran und Irak haben zehntausende Menschen die zweite Nacht in Folge im Freien ausgeharrt. Im Iran stieg die Zahl der Toten nach Angaben der Behörden vom Montagabend auf zumindest 421, über 7.300 Menschen wurden verletzt. Auf der anderen Seite der Grenze starben laut irakischem Gesundheitsministerium acht Menschen, rund 330 wurden verletzt.

Irans Präsident Hassan Ruhani hat den Menschen in der Kermanschah-Provinz unterdessen einen raschen Wiederaufbau zugesagt. "Heute stehen alle Iraner hinter Kermanschah, und wir werden alles tun, damit die Menschen hier diese Tragödie schneller vergessen können", sagte er am Dienstag nach seiner Ankunft im Katastrophengebiet.

Die Bergungsarbeiten auf iranischer Seite seien in manchen Städten beendet, in anderen gehen sie jedoch weiter, hieß es. Sowohl die Menschen als auch die Behörden in Kermanschah sind offenkundig nicht zufrieden mit der Hilfe aus Teheran, hoffen jedoch, dass sich das nach Ruhanis Besuch ändert. Die Regierung hat wegen den Dienstag zum staatlichen Trauertag erklärt.

"Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen alles. Die Behörden sollten schneller helfen", sagte eine Bewohnerin der Stadt Sarpo-e Sahab, die besonders stark getroffen wurde. Dem iranischen Roten Kreuz zufolge wurden zahlreiche Notzelte aufgebaut. Doch der Ausfall von Strom, Wassermangel und verschüttete Straßen erschwerten die Hilfsbemühungen.

Für Dienstag ordnete die iranische Regierung einen Tag der Trauer an. Die Menschen bräuchten vor allem Zelte, Wasser und Lebensmittel, sagte der Chef der iranischen Revolutionsgarden, General Mohammed Ali Dschafari, der dem Erdbebengebiet einen Besuch abstattete. Neu gebaute Häuser hätten dem Erdbeben gut standgehalten, alte, aus Lehm gebaute Häuser seien "völlig zerstört", sagte er im staatlichen Fernehen.

Laut Außenminister Mohamed Dschawad Sarif will der Iran vorerst aber auf internationale Hilfe verzichten. "Wir bedanken uns für die internationale Anteilnahme und Hilfsangebote, aber wir haben es vorläufig im Griff", schrieb er am Dienstag auf seiner Twitter-Seite. Er werde seine Kollegen jedoch bei Bedarf in Kenntnis setzen. Neben einigen arabischen Staaten hatte die internationale Gemeinschaft, auch Irans Erzfeinde USA und Israel, dem iranischen Volk ihr Beileid ausgesprochen.

Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Irna wurden 30 Teams des Roten Halbmonds in das Katastrophengebiet entsandt. Die iranische Regierung hat den Dienstag zum staatlichen Trauertag erklärt. Das Kabinett drückte in einer Stellungnahme sein Mitgefühl für die Opfer und ihre Angehörigen aus und wünschte den Verletzten eine baldige Genesung, wie die Nachrichtenagentur Irna berichtete.

Das schwere Erdbeben der Stärke 7,3 hatte die Region am Sonntagabend erschüttert, als viele Menschen zu Hause waren. Das Epizentrum lag etwa 50 Kilometer nördlich von Sarpo-e Sahab. Mehr als 150 Nachbeben wurden gezählt.

 

Quelle: Apa/Dpa/Ag.